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von Nikolai Thelitz – Manchmal können sich auch die seriösesten Politiker das Lachen nicht verkneifen. Das Ratsprotokoll zeigt, wer das Parlament am häufigsten in Heiterkeit versetzte.

Das Politikerleben ist nicht einfach: Stundenlage Debatten und oft technische Monologe über trockene Themen prägen den Alltag. Doch manchmal kommt Leben in die Bude: Dann nämlich, wenn ein Versprecher, ein Witz oder ein fieser Spruch den ganzen Ratssaal in Gelächter ausbrechen lässt. Bekannte Beispiele sind die Lachanfälle von Hans-Rudolf Merz («Bündnerfleisch!») oder Doris Leuthard mit ihrer Erklärung zu Pferde-Prüfungen.

Doch wer ist der grösste Witzbold im Parlament? Die Parlamentsdienste zeichnen während den Sessionen alle Debatten detailliert auf und veröffentlichen sie. Kommt es im Saal zu Gelächter, wird in Klammer «Heiterkeit» oder «teilweise Heiterkeit» protokolliert. 20 Minuten hat alle Wortprotokolle der aktuellen Legislatur analysiert und ausgewertet, wer am häufigsten für Lacher sorgt.

Ratspräsidenten im Vorteil

Dabei zeigt sich: Der lustigste Politiker ist offenbar Filippo Lombardi, FDP-Ständerat, mit 34 Lachern. Darauf folgen Hans Altherr, CVP-Ständerat, mit 32 Lachern, und Hannes Germann, ebenfalls Ständerat, mit 22. Sie hatten jedoch einen entscheidenden Vorteil: Weil sie alle in der laufenden Legislatur irgendwann Präsidenten des Ständerats waren, hatten sie besonders viel Redezeit. Dabei kam ihnen auch oft die Aufgabe zu, vorlaute Kollegen zurechtzuweisen und für Ruhe zu sorgen.

Als sich die Ständeräte in einer Debatte über den Steuerstreit beispielsweise gegenseitig mit Vorschlägen zu übertrumpfen versuchten, welche Lösung nun der «Königsweg» ist und welche vielleicht gar ein «Kaiserweg», mahnte Lombardi: «Trotz Monarchie sind wir immer noch in einer Demokratie!» Auch die ehemaligen Nationalratspräsidenten Hansjörg Walter (acht Lacher), Maya Graf und Ruedi Lustenberger (je sieben Lacher) schafften es wohl dank ihres Amts als Nationalratspräsidenten in die vorderen Ränge.

«Hosen runterlassen»

Prominent vertreten sind in der Rangliste auch die Bundesräte: Doris Leuthard sorgte 18-mal für Heiterkeit, Sommaruga zwölf und Widmer-Schlumpf zehnmal. So sagte zum Beispiel Leuthard zu Alfred Heer, welcher den Bundesrat kritisierte, dieser verhandle mit Deutschland in Flughafen-Angelegenheiten zu zahm: «Ich lade Sie auch gerne mit Ihrer Kraft als Zürcher Mann, als SVP-Vertreter, einmal in eine Verhandlungsdelegation ein, dann können Sie poltern, wir werden sehen, wie weit Sie kommen» – der Saal quittierte dies mit Gelächter und Applaus.
Etwas weniger lustig scheinen die männlichen Minister zu sein. Nur Alain Berset (zehn Lacher) schafft es in die Bestenliste.

Der verstorbene Nationalrat This Jenny war ebenfalls ein humorvoller Geist: Mit 14 Lachern hat er das Parlament unter den «gewöhnlichen» Parlamentariern am öftesten erheitert. So kommen er und Luc Recordon (siebenmal «Hilarité») als einzige Parlamentarier ohne Präsidialamt in die Top Ten. Für Heiterkeit sorgte Jenny etwa mit der Aussage: «Ich danke Kollege Graber für seine äusserst weisen Worte – wobei ich nicht gesagt haben will, so etwas sei selten.» Und als ein Parteipräsident warnte, der ganze Finanzplatz Schweiz werde die Hosen runterlassen müssen, erwiderte Jenny schlagfertig: «Die Frage ist: Was sind die Alternativen? Wenn ich damit meine Unternehmung und somit die Arbeitsplätze retten kann, dann bin ich sogar zu diesem Schritt bereit, auch wenn das unangenehm und vor allem auch unansehnlich wäre.»

Keinen Spitzenplatz erreichte Géraldine Savary (SP, zweimal «Heiterkeit»). Ihr Lachanfall bleibt aber trotzdem in bleibender Erinnerung: Erst kürzlich konnte sich die Ständerätin bei einer Diskussion um Krankheiten bei Schafen wegen eines Versprechers vor Lachen kaum mehr auf dem Stuhl halten.

Die Parlamentsdienste haben die Lacher im Rat auf Video zusammengetragen und im Rahmen einer Sommerserie veröffentlicht. Hans Altherr, der in unserem Ranking den zweiten Platz belegt, sorgt etwa mit einer unverständlichen Gesetzesbestimmung für Heiterkeit:

Ein Klassiker: Bundesrätin Doris Leuthard lacht über die Prüfungen für Zuchtpferde – «Das ist wirklich absurd!»:

Und zu guter Letzt der legendäre Auftritt des ehemaligen FDP-Finanzministers: Hans-Rudolf Merz wird uns mit seinem Lachanfall zum Thema Bündnerfleisch noch lange im Gedächtnis bleiben.

20 minuten 20.7.2015