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Ambri-Boss Filippo Lombardi hat genug von den stetig steigenden Spielerlöhnen und will eine Million Franken einsparen

Als Filippo Lombardi kürzlich in der «NZZ» blätterte, verschlug es dem CVP-Ständerat beinahe die Sprache. In einem Artikel stand, die finanzielle Situation in Ambri sei so schwierig, dass Sportchef Ivano Zanatta den Spielern teilweise nicht einmal mehr Offerten unterbreiten könne.

«Die Lage ist wie immer angespannt, aber nicht schlimmer als sonst», betont Lombardi. «Wir machen Offerten, brauchen aber nicht zehn neue Spieler. Zudem bin ich müde, stets Kapitalerhöhungen und Sammelaktionen durchzuführen.»

Während Jahren wurden mittelmässige Spieler beim finanziell klammen Verein fürstlich entlöhnt. Damit soll jetzt Schluss sein. «Die Agenten teilten uns mit, wir seien nicht attraktiv und müssten daher mehr bezahlen. Mittlerweile sage ich: Wenn einer nach Ambri kommt, weil er hier pro Jahr 30’000 Franken mehr verdient, wird er sich bei uns keine Mühe geben.»

Lombardi, der auch mit Kloten-Boss Hans-Ueli Lehmann diskutierte, verspricht einen Sparkurs. «Wir werden unser Lohnbudget um eine Million Franken reduzieren, wollen junge, motivierte Leute.» Einen ersten Schritt hat Ambri getan: Vom SCB kommt Marco Müller (23).

Doch weshalb folgt der Kurswechsel jetzt, wo ab nächster Saison eine Million Franken zusätzliche TV-Gelder in die Kassen fliessen? «Die Branche ist krank», so Lombardi.

«Ständig höre ich von der Erfolgsgeschichte der National League. Doch von geschätzten 300 Millionen Franken Gesamtumsatz stammen wahrscheinlich 50 Millionen von Gönnern und Mäzenen. Ist das wirtschaftlich oder vernünftig? Mit den zusätzlichen Einnahmen müsste man die Klubs sanieren.»

Ein Dorn im Auge sind dem Ambri-Boss die Spielervermittler. Manchmal gehe es zu und her wie bei einer Versteigerung. «Offerten werden dazu benutzt, um den Preis bei der Konkurrenz in die Höhe zu treiben.» Sieben Jahre habe Lombardi gekämpft, damit die Spieler und nicht die Klubs die Agentenprovisionen bezahlen müssen. «Marc Lüthi war der starke Gegner, fürchtete höhere Ausgaben. Jetzt endlich haben die Agenten die Milchkuh verloren, erhoffen sich aber durch die TV-Gelder eine nächste Lohnrunde. Doch wir machen das nicht mehr mit.»

Lombardi ist überzeugt, dass andere Vereine mitziehen werden. «Die Klubs müssen wieder wirtschaftlich geführt werden. Lugano, Zürich, Bern, Lausanne und wohl Zug haben andere Möglichkeiten. Wenn der Rest aber vernünftiger wird, ist der halbe Kampf schon gewonnen.»

Blick 16.2.2016